Ich gehe bald als Kulturbotschafter nach Europa. Das Ziel meines neunmonatigen Aufenthaltes ist die Förderung von Shogi.
Wenn Sie diesen Artikel lesen, sollte ich schon in Paris sein und französischen Shogi-Freunden Unterricht geben.
Kulturbotschafter werden in verschiedenen japanischen Kulturgebieten gewählt. Sie werden vom japanischen Kulturamt delegiert zur Vertiefung der Kenntnisse der japanischen Kultur im Ausland und zum Kulturaustausch mit dem Ausland. Das Programm begann vor vier Jahren. Aus den vielfältigen Bereichen wurden bislang nominiert: Dirigenten, Dramatiker, Geschichtenerzähler, Schauspieler, Fotographen, No-Meister, Kalligraphen, Rakugo- Geschichterzähler und Mangazeichner.
Letztes Jahr wurde ein Go-Spieler (Kobayashi 5 Dan) zum ersten Mal nominiert und nach Europa geschickt. Dieses Jahr wurde wieder ein anderer Go-Spieler nominiert. Er wird mehr als zehn Länder in Südamerika besuchen. Er ist mein Freund (wörtlich "Trinkkumpane"), Enda (9 Dan).
Dieses Jahr wurde erstmals jemand aus dem Shogi-Bereich gebeten als Kulturbotschafter ins Ausland zu gehen. Ich habe dafür kandidiert und wurde endgültig ausgewählt.
Ich habe bereits einige Erfahrungen bei der Förderung von Shogi im Ausland; Ich besuchte privat oder geschäftlich China (Honkong, Peking und Shanghai), die USA (New York), Frankreich, Belgien und Deutschland. Daher sah ich meiner diesjährigen Entsendung eigentlich optimistisch entgegen. Da ich diesmal jedoch lange Zeit im Ausland verbringen müsste, glaubte ich, nicht zurecht kommen zu können.
Denn bei den bisherigen Reisen standen die Terminplanung und Übernachtungen vorher bereits fest; ich brauchte nur, dorthin zu gehen und einfach Shogi zu spielen. Diesmal war es jedoch von Anfang an nicht so einfach. Denn ich musste mich selbst um die Wohnungssuche und Planung kümmern. Der Kontakt wurde mit den Shogi-Verantwortlichen vor Ort per Email und Telefon hergestellt. Wegen der Sprachschwierigkeiten führte das allerdings gelegentlich zu Missverständnissen und Fehlern.
Mein Freund Enda hat bereits eine langfristige Förderungstätigkeit entfaltet. Er spricht gut Englisch und sogar Spanisch. Außerdem hat Go bereits einen viel besseren Stand im Westen und ist weltweit verbreitet. Deshalb ist die Unterstützung für eine Go-Delegation in jedem Land groß.
Ich hingegen spreche nur wenig Englisch und beim Hören stolpere ich noch, ganz zu schweigen von Französisch! Außerdem ist in Europa Schach sehr populär und Shogi verbreitet sich nur schwer, da die Zeichen auf den Figuren angeblich nur schwer zu unterscheiden sind. [Jochen: Unserer Meinung nach sind die Schriftzeichen kein wirkliches Hindernis.]
Am Anfang hatte ich gedacht, dass es sich deswegen lohnen könnte, Europa als Zielort zu wählen. Wegen der Sprachschwierigkeiten habe ich jedoch später mehrmals meine unbesonnene Entscheidung bereut. Ja, ich bin auf die Sprachfähigkeiten von Enda neidisch!
Andererseits freue ich mich sehr, den Leute zu begegnen, die sich für Shogi begeistern. Ich habe Shogi-Fans mal gefragt, was sie bei Shogi faszinierend finden:
Es ist spannend, den Stein einzusetzen, der geschlagen wurde.
Die fast immer vorhandenen Chancen auf einen Gegenangriff finde ich interessant.
Mich fasziniert die geringe Wahrscheinlichkeit, dass eine Partie unentschieden endet.
Ich denke außerdem, dass Shogi eines der Elemente der japanischen Kultur ist, die man der Welt mit Stolz vorstellen kann. Es gehört zum japanischem Stil, dass eine Partie immer mit Höflichkeit beginnt und endet.
Ich werde für meinen Europa-Aufenthalt Handbücher in englischer und französischer Sprache mitbringen. Außerdem habe ich Papierfiguren vorbereitet, auf denen kleine Pfeile die Zugrichtung der Figuren andeuten.
Da mir alles neu ist, werde ich sicherlich die ein oder andere Schwierigkeit zu meistern haben. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn diese Kulturförderung zu einem Erfolg wird.
Es ist mein größter Wunsch, für die faszinierenden Aspekte des Shogispiels zu begeistern.
Hiroschi Honma
übersetzt von Kimio Takahashi
Korrektur gelesen von Jochen Drechsler und Oliver Orschiedt